Geschichte des Ferienlagers

Erschienen im Rhein-Lahn Kurier, Heimat- und Bürgerzeitung der Stadt Lahnstein, Jahrgang 50, Freitag, 30. Juli 2010, Nummer 30.

Seit fünf Jahrzehnten ist das Ferienlager der Arbeiterwohlfahrt für Schulkinder eine äußerst beliebte Aktion. Das Stadtarchiv erinnert an die Anfänge in den 1960ern.

"Ferien auf der Bucher-Wiese" titelte die Lahnsteiner Lokalzeitung "Rhein-Post" am 23.06.1960 und berichtete von dem geplanten Erholungslager der Arbeiterwohlfahrt Lahnstein.

Die beiden Ortsausschüsse Nieder- und Oberlahnstein der Arbeiterwohlfahrt (AWO) organisierten erstmals während der Sommerferien vom 1. - 26. August 1960 ein "Ferienerholungslager" für Schulkinder von 6 bis 10 Jahren. Im ersten Jahr wurde das Lager auf der Bucher-Wiese oberhalb der Ruppertsklamm aufgeschlagen.

"Für die Betreuung der Kinder stehen der AWO verantwortungsbewusste ehren- und hauptamtliche Helferinnen und Helfer zur Verfügung, so dass die Eltern ganz unbesorgt der AWO ihre Kinder anvertrauen können. Bei frohem Spiel, Wanderungen und Liegekuren (!) sollen sich die Kinder erfreuen und eine wirkliche Erholung finden."

Den Kindern wurden durch Zuschüsse und finanzielle Unterstützung der Bezirksleitung der AWO drei Mahlzeiten geboten. Auch die Städte Ober- und Niederlahnstein sowie Kreis, Land und Bund beteiligten sich mit Zuschüssen für die Erstausstattung des Vorhabens. Neben dem Küchenzelt wurde ein großes Zelt aufgestellt. Pro Tag mussten die Eltern 1 DM, also insgesamt 20 DM aufbringen.

Im ersten Jahr beteiligten sich 63 Kinder aus Ober- und Niederlahnstein an der Aktion. Frühmorgens mit dem Bus gebracht, gab es ein kräftiges Frühstück, anschließend Wanderungen, Reigen und Ballspiele. Mittags rief die Glocke zum Essen, dem 90 Minuten Mittagsruhe folgten. Abends wurden die Kinder wieder nach Hause gefahren.

Im Folgejahr (1961) wechselte man auf die Wiese Nähe des Hofgut's Aspich, wo sich das Ferienlager noch heute befindet. Erneut leiten Willi Bruchhof und Walter Wronna das Ferienlager, unterstützt von jungen Studenten der pädagogischen Akademie in Worms. Die Frauen der AWO bereiteten täglich (Mo-Fr) die Mahlzeiten im Kochzelt zu. Lahnsteiner Geschäftsleute unterstützten die Lagerküche mit "Wurst- und Schmalzspenden". Für die Finanzierung wurden 5.600 DM veranschlagt, wovon die beiden Städte und der Kreis zusammen 1.850 DM beisteuerten. Während sich im zweiten Jahr 84 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren beteiligten, waren es 1962 bereits rund 100 Kinder, 1963 erstmals auch 20 Braubacher, mehr ließ die Kapazität leider nicht zu.

Neben Bruchhof und Wronna engagierten sich Ferdinand Stürmer und Bernhard Noll. 1968 übernahm Walter Elzer, Vorsitzender der AWO Niederlahnstein die Leitung.

1974 berichtete die ZDF-Sendung "Mosaik" in einer fünfminütigen Reportage über das Ferienlager auf dem Aspich. Im Mittelpunkt stand der Lahnsteiner Willi Weiler, der damals das Ferienlager leitete und das ganze Jahr als Spendensammler für das Lager unterwegs war. Auch Änne Weiler, Siglinde Kramer, Norbert und Ursula Kaffei, Luise Marzilius, Mariechen Fabry, Christel Barteige, August Zimmerschied und Bernd Wittkemper waren als ehrenamtliche Helfer in dem Filmbeitrag zu sehen. Damals diente noch ein Bus als Küche.

Auf Willi Weiler folgte als Leiter Bernd Wittkemper und Karl-Heinz Kramer, später Peter Stratmanns, Willi Klein und Hans Hoffmann.

Dienten in den ersten Jahren drei Zelte als Küche, Essensraum und Garderobe, so wurde in den 1990er Jahren ein fester Bau errichtet.

Heute ist das "Kinderferienlager Aspich" ein eigenständiger Verein der Lahnsteiner AWO-Ortsverbände sowie dem Braubachs, unter dem Vorsitz Wolfgang Breitenbachs. Die Leitung teilen sich die Familien Gitzen und v. Graevenitz.

In diesem Jahr haben 200 Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren ihren vierwöchigen Spaß auf dem Aspich. Dafür sorgen 36 (!) Betreuer, darunter sind auch einige Familien, aber auch Jugendliche, die früher selbst am Ferienlager teil genommen haben.